Sichere Renten: So wirt­schaften unsere Pensions­kassen heute.
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Status Quo

So wirt­schaften unsere Pensions­kassen heute.

In Anbetracht des langjährigen weltweiten Tiefzinsumfeldes ist der MindestzinssatzDer vom Bundesrat jährlich festgelegte Zins, zu dem das BVG-Guthaben mindestens verzinst werden muss. 2019 auf 1,0% gesunken und es ist nicht davon auszugehen, dass dieser in den nächsten Jahren wieder steigt. Zudem führt die steigende Lebenserwartung dazu, dass Renten immer länger ausbezahlt werden müssen. Dementsprechend werden die Altersguthaben und mit ihnen der auf dem BVG-Ausweis ausgewiesene künftige Rentenbetrag laufend den neuen Rahmenbedingungen angepasst. Der gesetzlich vorgeschriebene MindestumwandlungssatzDer Prozentsatz, zu dem das angesparte BVG-Alterskapital in Renten umgewandelt wird. Er liegt bei 6,8% (Stand 2019). Pro 100ʼ000 Franken erhalten die Versicherten also 6ʼ800 Franken Rente pro Jahr. für die obligatorische Vorsorge von aktuell 6,8% zum Beispiel, der die Höhe der Jahresrente in Prozenten des Alterskapitals bestimmt, dürfte künftig stark sinken. Und damit die spätere Rente.

Die geltenden Anlagevorschriften für Pensionskassen beruhen auf dem traditionellen Modell von Anlagekategorien, deren Anteil am gesamten Anlageportfolio limitiert ist. So dürfen gemäss Art. 55 BVV2 nicht mehr als 50% des Gesamtvermögens in Grundpfandtitel auf Immobilien im Baurecht sowie Bauland investiert werden; dito nicht mehr als 50% in Aktien, nicht mehr als 30% in Immobilienanlagen, nicht mehr als 15% in alternative AnlagenKapitalanlagen, die nicht zu den traditionellen Finanzprodukten wie Aktien oder Obligationen zählen, also Hedgefunds und Private Equity sowie Sachwerte wie Rohstoffe, Kunstgegenstände und – streng genommen – Immobilien. und nicht mehr als 30% in Fremdwährungen ohne Währungssicherungen.

 

Strenge Anlagelimiten für Schweizer Pensionskassen

 

Damit werden den Pensionskassen bewusst Leitplanken für die Vermögensaufteilung gesetzt. Dieses Regime der Maximallimiten ist aber kein Ersatz für ein adäquates Risikomanagement. Im Gegenteil: Es wiegt sowohl den Gesetzgeber als auch die Begünstigten in einer Scheinsicherheit. Zudem haben diese Limiten eine unerwünschte Signalwirkung, implizieren sie doch, dass zum Beispiel ein Anteil an Immobilieninvestitionen von bis zu 30% kein besonderes Risiko darstellt, da sich dieser innerhalb der Anlagelimiten befindet.

«Das wirtschaftliche und demografische Umfeld ändert sich, die Anlagestrategien der Pensionskassen nicht.»

Heute investieren unsere Pensionskassen wesentliche Teile des Vermögens in risikolose Zinsanlagen, insbesondere in Obligationen in Schweizer Franken, obwohl diese praktisch keine Rendite abwerfen. Gemäss einer Swisscanto-Studie macht dieser Anteil bei grossen Kassen 15,5%, bei mittelgrossen 17,6% und bei kleinen gar 22,6% aus. Gleichzeitig hat sich der Aktienanteil in den Portfolios der Pensionskassen trotz seit Jahren boomender Börsen kaum verändert – von 27% im 2009 ist er nur minim auf 29% im Jahr 2018 gestiegen. Kein Wunder also, blieben die Schweizer Pensionskassen insgesamt unter ihren Renditezielen. Trotz aktueller Krisenzeiten und einer ungewissen Zukunft zeigt sich, dass sich Aktienmärkte jeweils rasch wieder erholen und im langjährigen Durchschnitt eine Wachstumsrate von rund 8% aufweisen.

Damit sich die Pensionskassen nicht länger ausschliesslich an den Anlagelimiten orientieren können, wäre eine Lockerung oder gar Abschaffung dieser Limiten sinnvoll. Damit würde die bereits heute in der BVV2 verankerte Prudent Investor RuleAutonome Festlegung des Anlageverhaltens durch die Marktteilnehmer im Rahmen allgemeiner, aber rechtlich verbindlicher Prinzipien gestärkt und die Risiken könnten auf eine Vielzahl von Anlagemöglichkeiten verteilt werden. Die damit einhergehende Aufwertung des «3. Beitragszahlers» käme in Form höherer Renditen dem gesamten Rentensystem wie auch dem einzelnen Anleger zugute.